Leben in London

LIFE UPDATE: Wie es mir in London wirklich geht

Die am meisten gestellte Frage, die mir seit meinem Umzug nach London mehrmals täglich unterkommt? „Wie ist es denn so in London?“ – ganz egal ob auf meinem YouTube Kanal, im echten Leben oder auf dem Blog – die Variationen dieser Frage höre ich auch nach einigen Monaten englischem Boden unter den Füßen ziemlich oft. Deswegen wollte ich eben dieser heute einen besonders persönlichen Post widmen!

Mehr dazu nach dem Sprung!

The most asked question since moving to the UK? „How it feels to live in London?“ – and I don’t only speak about blog and social media comments, it’s also quite often mentioned on my YouTube channel and in my private life and relationships – of course. So I decided to dedicate a whole personal blog post to talk to you about my move and new life in the UK. Read more after the jump.

Vielleicht ein bisschen was zu meiner Vorgeschichte: Meine Ausbildung, Studium und der Aufstieg im Job kam alles ziemlich „knall auf fall“. Ich war nicht gerade der Typ, der sich bei irgendetwas Zeit gelassen hat oder die zwei geschenkten Semester fürs Latinum eingelöst hätte, nein nein. Die Nebenwirkung? Eine Erfahrung fehlte mir schon etwas länger, und zwar habe ich mir nie die Zeit für ein Auslandssemester genommen. Auch vor dem Studium habe ich keine längere Reise gemacht und so konnte ich „im Ausland leben“ nie auf meinen CV schreiben. Ich kann nicht sagen, dass mich das jemals immens gestört hätte – da ich auch so viel rumgekommen bin. Aber wenn ich mal gegrübelt habe, war das das Einzige was ich mir vorstellen könnte jemals mit leichter Reue in Verbindung zu bringen, wenn ich älter bin.

Meinem Freund ging es da sein Leben lang anders und so zögerte er nicht lange, als es ihn wieder ins Ausland zog. Nach anfänglicher Unsicherheit entschied ich spontan einfach mitzukommen und so kam ich hier her. Wäre ich zu dem Zeitpunkt nicht schon seit einigen Monaten Freiberufler gewesen, hätte ich diese Entscheidung sicher nicht getroffen (mehr dazu erzähle ich aber auch im Video).

Trotzdem habe ich die Entscheidung für mich getroffen.

Das ist glaube ich ganz wichtig, denn auch wenn es natürlich für eine Beziehung immer angenehmer ist, an einem Ort zu sein und gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse zu verbuchen und zu teilen, muss man einen solchen Schritt nur für sich selber tun. Ich sah darin tatsächlich die Chance diese Lücke auszugleichen, endlich mal etwas für mich zu tun.

Ein Erlebnis über eine Sprosse auf der Karriereleiter zu setzen.

Gesagt, getan. Rückblickend war 2015 wirklich ein turbulentes Jahr für mich mit vielen wichtigen Entscheidungen und auch wenn es nach wie vor die richtigen waren, geht das nicht ganz spurlos an einem vorbei. Meine Persönlichkeit und ich als Mensch, ganz abgetrennt von all dem Bloggermythos und Selfie-Hype, bin introvertiert und sensibel. Neuerungen in meinem Umfeld bringen mich aus dem Gleichgewicht – schubsen mich manchmal in eine positive aber immer auch mal erst mal in eine dunkle Ecke.

Zeitsprung. Kurz nach dem Umzug: Meine Erwartungshaltung war sehr offen. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass ich von meinem Freiberufler-Dasein nicht zu viel erwarten kann. Immerhin mache ich mich gerade für nationale Kunden und Partner aus Deutschland gerade nicht unbedingt leicht erreichbar und für Blogger ist die Zeit nach Weihnachten auch meistens nicht die leichteste. Mein Sparstrumpf und ich machten uns auf eine teure Durststrecke bereit und ich hatte einiges angespart sowie meine Erwartungen und Bedürfnisse, was teure Aktivitäten in der noch teureren Stadt angeht, zurückgeschraubt.

Dann kam alles anders.

Als ich schließlich das erste überraschende Jobangebot für eine Videoproduktion bekam, sagte ich sofort zu. Immerhin hatten wir uns extra für eine größere Wohnung entschieden, damit ich diese auch zeitweise in ein kleines Studio umbauen konnte. Lange Rede, kurzer Sinn: Es lief richtig gut. Ich machte viele kleine und größere Foto- und auch Videoproduktionen im Bereich Food, Lifestyle und Beauty und auch die Bloggerkooperationen wurden langsam wieder mehr.

Ich war also doch richtig schön beschäftigt, was mir auch erst einmal gut tat – mein Freund hat hier ein sehr straffes Programm und das war von Anfang an klar. Deswegen war es für mich auf jeden Fall eine Bereicherung, dass meine Arbeit trotz logistischer Schwierigkeiten auch in Deutschland noch gefragt ist. Dann schwappte das ganz langsam etwas über: Die viele Arbeit war die perfekte Ausrede.

Kleinstadt versus Großstadt

Für mich ist es ziemlich egal, wo ich wohne. Ich kann das Wohnzimmer mit einem ausziehbaren Studiohintergrund und 3 Scheinwerfern in ein Vollblutfotostudio verwandeln, Facetime, Skype und Highspeed Internet lassen dich mit jedem zu jeder Zeit in Kontakt treten und Ideen austauschen oder verwerfen. Da ist es egal ob dieses Wohnzimmer in Central London ist oder in Korb. Irgendwie traurig? Ja, schon!

Aber da ich mir das Ganze auch nicht wie ein Urlaubsjahr auferlegt habe, sondern mir lediglich die Option offen halten wollte, dass es „okay ist“, wenn es nicht so gut läuft … warum dann Aufträge ablehnen? Und schon ist man wieder drin in der Mühle.

Neue Freunde? Brauch ich nicht.

Meine Grundeinstellung zu diesem Thema war immer ziemlich deutlich. Neue Freunde? Nein, danke. Ich sah mich nicht dabei, wie ich mich extra zu Kursen anmeldete oder auf Blogger Events ging, um Gleichgesinnte zu treffen. Ich brauche keine neuen Freunde, weil meine alten ja immer noch da sind. Bei uns waren schon so viele für länger im Ausland oder dauerhaft – aber es hat der Freundschaft nie einen Abbruch getan. Und so war meine Erwartungshaltung dieses Mal auch, was ich auch immer noch völlig okay finde.

Was ich aber inzwischen gelernt habe: Mit solchen Gedanken sollte man sich nicht in eine neue Stadt ins Getümmel stürzen. Mein neues Motto?

Alles kann, nichts muss.

Wieso sollte ich mich vor neuen Leuten so bewusst verschließen? Das ist auch Quatsch und passt natürlich wunderbar zu meiner introvertierten Persönlichkeit. Ein Selbstschutz, der einen davor bewahrt mit jedem zu quatschen und seine Comfort Zone etwas zu erweitern. Inzwischen habe ich gemerkt, dass es gut tut mit Leuten zu sprechen und Kontakt zu haben, die einen Bezug zur Stadt haben. Hier ist so viel los! Es ist einfach wichtig sich darüber auszutauschen, was hier alles passiert und geboten wird. Zu meinem Glück habe ich aber auch schon einige Freunde hier und kann diesen Punkt zum Glück inzwischen etwas unbedarft hinter mir lassen.

Lebenskrise für Anfänger?

Immer wenn mich jemand gefragt hat, wie es mir in London „gefällt“ habe ich superehrlich geantwortet. Meine Gleichgültigkeit der Großstadt gegenüber erwähnt und damit Unverständnis geerntet. Mein Vorteil bei all dem war aber immer, dass es mir hier nie schlecht ging. Im Gegenteil, ich bin glücklich. Das liegt natürlich daran, dass ich privat superzufrieden bin – meine Familie gesund und auch der Kontakt zu meinen wichtigsten Bezugspersonen nie abreißt.

Aber etwas ändern will ich trotzdem. Wenn mich in 10 Jahren jemand nach meinem Abenteuer hier fragt, will ich etwas zu erzählen haben und nicht nur ein Portfolio mit 10 tollen Projekten aufklappen. Das habe ich in den letzten Wochen schon erfolgreich umgesetzt – vermutlich hat auch das mir den Mut gegeben diesen Post zu schreiben.

Für alle, die sich momentan in ähnlichen Lebenssituationen befinden – egal ob neuer Job, neue Uni oder Umzug: Traut Euch! Es ist normal nicht sofort zu 100 % anzukommen. Jeder hat sein eigenes Tempo. Gerade eine neue Stadt kann eine unheimliche Herausforderung sein.

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9 Comments

  • Reply Vicky 21. April 2016 at 20:06

    Mir gings damals in Paris auch so, dass ich eine Weile gebraucht habe anzukommen! sehr schönes Video! eine Freundin von mir wohnt auch bei Angel. Falls ich im Mai sie Mal besuchen werde, melde ich mich auf jeden Fall!

    liebste Grüße aus München,
    Vicky | The Golden Bun

  • Reply Lisa 21. April 2016 at 20:27

    Ein richtig tolles Video und ein super Beitrag einfach klasse.
    Liebe Grüße Lisa <3
    http://hellobeautifulstyle.blogspot.de/
    https://www.youtube.com/channel/UCPoU_ebFxQsjhAwy8bjlPiA

  • Reply Hanna 21. April 2016 at 21:56

    Wie passend, dein Beitrag. Wir haben hier gerade drüber gesprochen, ob es feige ist aus einer Stadt wegzuziehen, in der man nie so richtig ankam. Ein toller uns sehr persönlicher Blogpost. Daumen hoch!

  • Reply liebe was ist 22. April 2016 at 13:03

    „Alles kann, nichts muss“, das ist wirklich ein wunderbarer Spruch und eine tolle Einstellung für jedes Abenteuer, ob klein oder größer …
    ich muss doch zugeben, ich bin ein richtiger Gewohnheitsmensch … mir fiele es schwer mal eben umzuziehen, einen neuen Job zu ergreifen etc. alles ohne Sicherheit macht mir eine riesen Angst. aber es ist nun wirklich sehr inspirierend von dir zu lesen, so einen Schritt einfach mal zu wagen. im Grunde weiß man ja doch, dass man auch alles wieder anders machen kann … zu spät gibt es doch eigentlich nie!

    danke für diese tollen Gedanken und die Motiviation dahinter 🙂
    schönes Wochenende dir, liebe Jasmin!
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

  • Reply Ingrid Cat 25. April 2016 at 17:57

    Hallo liebe Jasmin 🙂
    Ich hab dein Video angeschaut, deinen Text gelesen und wollte dir kurz meine Gedanken dalassen. Du hast ja gesagt, dass du jetzt ein bisschen was ändern willst.. Ich bin mir nicht sicher ob DU SELBST das wirklich willst oder ob die Reaktionen der anderen dich dazu gebracht haben, was ändern zu wollen? Ich meine damit: Oft will uns die Gesellschaft einreden, wie wir zu leben haben, dass wir eine Großstadt entdecken MÜSSEN, dass wir Leute kennenlernen MÜSSEN (usw.), obwohl wir selbst gar kein Bedürfnis danach haben und glücklich sind so wie es ist.
    Als du davon erzählt hast, dass du mit deinem Freund und deinem Hund glücklich bist, Kontakt zu alten Freundinnen hast und in deiner Arbeit aufgehst, dachte ich, dass sich das einfach nur schön anhört. „Wenn mich in 10 Jahren jemand nach meinem Abenteuer hier fragt, will ich etwas zu erzählen haben“: Sowas finde ich üüüberhaupt nicht wichtig, denn ich will lieber im Hier und Jetzt zufrieden sein, als irgendwann mal was Spannendes zu erzählen haben. Ich hoffe, dass diese Nachricht nicht wie eine Kritik rüberkommt! Es soll nur ein Denkanstoß sein und vielleicht willst du mir ja deine Gedanken dazu schreiben 🙂

    Ich finde das Thema sehr spannend, weil ich selbst letzten Oktober nach Hamburg gezogen bin und mir zuerst total Druck gemacht habe und gedacht habe „ich muss Freunde finden ich muss Freunde finden“, obwohl ich eigentlich gar nicht wollte und zufrieden war! Ich dachte damals, dass ich mich irgendwie schämen müsste wenn ich keine Freunde suche/finde :-/ Vielleicht verstehst du ja was ich meine 🙂

    Übrigens verfolge ich dich schon seit Ewigkeiten <3 und mag deinen content sehr!

    Liebe Grüße

  • Reply ina whatinaloves.com 12. Oktober 2016 at 22:29

    ich liebe liebe liebe deine ehrlichen posts 😀 ich lese gerade seit 1 stunde auf deinem blog (habe ich zu lange nicht mehr getan) und bin so begeistert!
    #mademyday

  • Reply Anastasia Wiebe 12. November 2016 at 16:43

    Toller Post! Habe bisher nur deine Videos geschaut, aber deine Einträge sind sooo schön geschrieben!
    Würde mich freuen , wenn mal auch mal jemand bei mir vorbeischaut https://nastyawiebe.wordpress.com/

    • Reply Jasmin 12. November 2016 at 16:46

      Danke sehr <3

  • Reply Amelie 14. Februar 2017 at 09:45

    Liebe Jasmin,
    ich habe nun einmal alle Beiträge aus der Reihe „Living in London“ gelesen und bin wirklich beeindruckt, wie toll du das alles meisterst!
    Und man merkt wirklich deutlich, wie wohl du dich in deiner neuen Heimat fühlst. 🙂
    Für deine weitere Zeit in London wünsche ich dir alles Gute und freue mich auf weitere Beiträge!

    Allerliebste Grüße,
    Amelie | https://amelieruna.wordpress.com/

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