Weltreise

Auswandern mit Hund: Von Deutschland nach Großbritannien

Heute geht es um ein weniger glamouröses Thema und zwar meinen Umzug von Deutschland nach Großbritannien. Ich weiß, dass das viele von euch interessiert und das ein Post oder Erfahrungsbericht zum Auswandern mit Hund mir persönlich sehr geholfen hätte. Deswegen möchte ich heute eine Zusammenfassung aller erforderlichen Voraussetzungen und mein kleines Abenteuer mit euch teilen. Falls ihr aus einem anderen Land innerhalb der EU nach UK reisen wollt, sollten die gleichen (oder ähnliche) Bedingungen für euch gelten. Aber eines kann ich vorweg nehmen: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Doppelt geprüft hält besser.

Today it’s time for a more lifestyle based post! I wanted to tell you guys my story and process of moving from Germany to the UK with a dog. It wasn’t easy, this is all I say for now – and I really hope that this post helps other people to making all those things a little bit easier.

Fangen wir mal ganz von vorne an: Großbritannien ist eine Insel. Deswegen scheint hier die Angst vor Seuchen und Krankheiten besonders groß zu sein. All diese Bestimmungen gelten übrigens auch, wenn ihr das Land nur bereisen oder durchqueren wollt. Verglichen mit Einreisebestimmungen in die USA, haben wir hier deutlich mehr Auflagen.  Deswegen fangen wir gleich mal an:

Einreisebestimmungen für Hunde

  • Mitnahme des neuen EU-Heimtierausweises (die neuen Ausweise gibt es seit Ende 2014.) Egal was euer Tierarzt sagt: Lasst euch einen machen, der den aktuellen Standards entspricht. Jimmy hatte seinen Pass seit über 10 Jahren. Merke: Der alte Ausweis kommt zur Sicherheit mit ins Gepäck, sollte aber nicht gleich mit ausgepackt werden.
  • Der Hund muss einen Mikrochip haben. Das Datum der Transplantation ODER das letzte Ablesedatum (sollte allerdings auch mindestens 21 Tage her sein) MUSS im Pass verzeichnet sein.
  • Der Hund war zum Zeitpunkt der Erstimpfung gegen Tollwut mindestens 12 Wochen alt. Die Gültigkeitsdauer der Impfung reicht bis zum Ende der vom Hersteller angegebenen Impfschutzdauer. Dies gilt auch im Falle von Wiederholungsimpfungen. Eine Wiederholungsimpfung gilt als Erstimpfung, sofern diese nicht innerhalb der Gültigkeitsdauer erfolgte. Die Impfung liegt nicht vor dem Zeitpunkt der Kennzeichnung. (aus diesem Grund packt ihr den alten Pass nur aus, wenn es sein muss: Hier könnten sonst eventuell verpasste Impfungen auffallen)
  • Die Einreise darf erst frühestens 21 Tage nach Abschluss des vom Hersteller für die Erstimpfung empfohlenen Impfprotokolls erfolgen. Das heißt: Euer Hund braucht eine Tollwutimpfung vor der Einreise. Es müssen mindestens 21 Tage zwischen Einreise und Impfung verstreichen.

Wichtig für das Timing: Der Hund benötigt eine vom Tierarzt durchgeführte und im Heimtierausweis dokumentierte Bandwurmbehandlung. Diese muss mit Datum und Zeit eingetragen werden. 1-5 Tage (24-120) Stunden vor der geplanten Ankunftszeit in England. Das wird genau genommen.

Folgende Typen dürfen gar nicht einreisen:

  •     Pit Bull Terrier
  •     Japanese Tosa
  •     Dogo Argentino
  •     Fila Brasilier

Einreise mit dem Flieger?

Momentan ist keine Einreise mit Passagierflugzeugen möglich. Nicht im Frachtraum und auch nicht im Handgepäck. Ob dies nicht erlaubt ist oder einfach ein stilles Abkommen zwischen Airlines, Flughäfen und Co ist kann ich nicht sagen. Jedenfalls findet man dazu nicht viel. Was mir jedoch passiert ist: Ich habe von der Lufthansa und KLM jeweils eine schriftliche und eine mündliche Zusage erhalten, dass das möglich wäre. Meine weitere Recherche oder das Nachfragen an vielen anderen Stellen brachte jedoch hervor, dass es nicht funktionieren würde und ich im schlimmsten Fall mitgenommen würde, aber wieder zurückgeschickt werden würde – ohne die Grenzkontrolle zu passieren.

Was jedoch geht, ist ein Flug in einer sogenannten Cargo-Maschine. Diese transportiert nur Güter, unter anderem auch „Lebende“, wie Haustiere und andere Tiere. Dazu könnt ihr euch hier informieren. Cargo-Maschinen transportieren Tiere momentan nur nach Heathrow und es gibt es ein sehr enges Zeitfenster, in dem man das Tier wieder abholen muss. Sonst muss man saftige Gebühren bezahlen. Für mich kam das nicht in Frage, Jimmy ist 11 Jahre alt und hat inzwischen ein starkes Herzgeräusch. Unnötige Aufregung und schwer einschätzbare Situationen wollte ich vermeiden.

Ausreise mit dem Flieger?

Ist angeblich kein Problem. Getestet habe ich es jedoch noch nicht.

Bahnfahren mit Hund?

Man kann England auch mit dem Zug erreichen. In meinem Fall fährt man von Stuttgart nach Frankreich mit dem TGV und steigt dann in den Eurostar um. Klingt recht komfortabel und dauert auch gar nicht so lange. Wäre das auch was für die Reise mit Hund? Leider nein. Im Eurostar sind nur zertifizierte Guide Dogs zugelassen. Dazu könnt ihr alles hier nachlesen. Normale Haustiere dürfen nicht mitfahren. Für den TGV gilt das übrigens nicht, hier sind Haustiere gerne gesehen und dürfen umsonst oder für ca. 6 Euro mitfahren. Über die Reise mit dem TGV könnt ihr euch hier informieren. Achtung Spontane: Die Tickets für Hunde könnt ihr nur an französischen Bahnhöfen kaufen oder per Post bekommen, d.h. ihr solltet mindestens 7 Tage vorher (eher mehr) telefonisch buchen.

Die beste Lösung: das eigene Auto

Die sicherste und entspannteste Lösung ist das eigene Auto. Hier hat man Flexibilität: Wenn was schief läuft kann man umdrehen, anhalten oder eine beliebig lange Pause machen und der Hund ist in einer vertrauten Umgebung. Mit dem Auto habt ihr dann sogar zwei Optionen die Grenze zu überqueren: Fähre oder Tunnel.

Fähre oder Tunnel?

Vorneweg muss ich sagen, dass wir uns für den Tunnel entschieden haben. Der sogenannte Eurotunnel ist 50km lang und führt von Calais nach Dover. Man kann während der Fahrt bequem im Auto sitzen bleiben oder aussteigen und erledigt zuvor alle wichtigen Stationen wie der Check-In mit dem Haustier, die Kontrolle der Pässe oder des Autos und so weiter. Man kann bequem zuhause bereits ein Ticket buchen und diesen Slot dann wahrnehmen, wenn sich jedoch etwas verspätet ist das kein Problem.

Warum wir uns gegen die Fähre entschieden haben? Alle Autos mit Hunden werden in einem bestimmten Bereich geparkt und die Menschen müssen aussteigen – die Hunde allerdings im Auto bleiben. Man darf auch nicht alleine ans Auto und nach seinem Hund sehen, sondern nur in Begleitung von Personal. Das war mir im Winter und in Anbetracht der Blackbox namens Mietauto irgendwie zu unsicher.

Zurück zum Tunnel: Relativ früh, wenn man auf das Gelände fährt, wird die Pet Station ausgeschildert. Dort sollte man zuerst hin. Was hier geschieht: Das Personal schaut den Pass durch und ihr solltet eure Reservierung für den Zugslot vorlegen, inklusive Buchungsnummer. Danach wird der Mikrochip des Hundes gescannt. Es werden alle EU Einreisebestimmungen kontrolliert – hier ist das Personal nicht schlampig. Wenn alles passt, bekommt ihr einen kleinen Zettel den ihr im Inneren des Autos an eure Scheibe klebt. Klingt total einfach. Zu allem, was schief gehen kann – später!

Geht das ganze auch mit einem Mietauto?

Wir haben hier vor allem ein Problem: Der Unterschied zwischen Links- und Rechtsverkehr und den unterschiedlichen Fahrzeugmodellen macht es Autovermietungen schwer möglich Einwegmieten anzubieten. Einige machen es trotzdem – SIXT und Europcar zum Beispiel. Von Frankreich nach England konnte ich keine Angebote finden, allerdings von Deutschland nach England. Der Preis? Definitiv weit über 2000 Euro ohne Sprit und Mautgebühren. Den Hund beim Autovermieter anmelden solltet ihr in so einem Fall auch lieber nicht.

Wie wir es gemacht haben:

Da ich mein Auto nicht mit nach UK nehmen wollte (Parking- und andere Anmeldegebühren, unpraktisch im Londoner Straßenverkehr und hohe Unfallgefahr durch das „falsche“ Lenkrad), musste ein Mietwagen her. Wenn ihr zu zweit seid, könnt ihr euch für den ersten Teil aufteilen: Eine Person fliegt ca. 1 Tag vor der ganzen Aktion nach England und leiht dort einen Mietwagen. Natürlich müsst ihr ein Extra für das Fahren außerhalb des Landes bezahlen, aber das ist zu verschmerzen. Das war in diesem Fall mein Freund. Am nächsten Morgen sind wir beide recht früh aufgebrochen. Ich hatte das Glück, dass ich von Stuttgart nach Lille von meinen Eltern gefahren wurde. Der eigentliche Plan war eine Verbindung mit dem TGV nach Paris (dort hätte man auch bereits einen Treffpunkt ausmachen können) und von dort aus weiter nach Lille – weil das eben etwas näher an Calais ist. Mein Freund hat also bereits einmal die Grenze mit dem Mietwagen von Dover nach Calais überquert. In Lille haben wir uns dann getroffen und ich bin mit Jimmy in den Mietwagen umgestiegen. An sich haben wir dann alles gemacht wie beschrieben und nachdem man die Grenze überquert hat, ist die restliche Fahrerei nur eine Frage der Zeit.

jimmy

Was bei uns schief ging:

In der Planung im Vorfeld war lange nicht 100%ig klar, ob uns ein Flieger mitnimmt oder nicht. Ich habe dazu einfach nie eine wirklich verlässliche Aussage gefunden. Das war aber zu verschmerzen. Was wirklich schlimm war: Jimmy hatte zuvor einen neuen Pass bekommen, da seiner über 10 Jahre alt war. Der neue EU-Heimtierausweis musste also her und so erledigte ich das im Rahmen der Tollwutbehandlung. Ein neuer Pass kostet um die 40 Euro.

Beim Ausfüllen des Passes ist ein Fehler unterlaufen: das Implantationsdatum des Mikrochips wurde nicht eingetragen, sondern einfach ein Strich: „-„.

Daraufhin wurde Jimmys Pass an der Grenze als ungültig erklärt. Ich weiß nicht, ob in Jimmys altem Pass das Datum gefehlt hat – aber eigentlich ist es auch egal. Es kann quasi jedes Datum eingetragen werden, so lange an diesem Tag der Mikrochip abgelesen wurde. Zum Beispiel zum Testen beim Tierarzt. Welche Daten unbedingt eingetragen sein müssen, weiß nur euer Tierarzt. Ich habe das aber oben unter „Einreisebestimmungen“ ergänzt, damit es sonst niemandem passiert. Die Pässe sind laminiert und man kann keine Daten nachtragen. Das heißt, wenn euer Pass als ungültig erklärt wird braucht ihr einen neuen.

Unser einziger Ausweg war: in Calais schnell einen Tierarzt finden, der Jimmy einen neuen EU-Heimtierausweis ausstellt. Was ihr außerdem braucht: eine Bestätigung eures lokalen Tierarztes (mit Unterschrift und Stempel) via Fax oder e-Mail mit dem Ausstellungsdatum oder Ablesedatum an die Grenzbehörde / Pet Station. Das gilt übrigens auch für andere fehlerhafte / fehlende Daten. Wir waren an diesem Tag nämlich nicht die einzigen, die noch das ein oder andere absurde Problem zu stemmen hatten.

Diese Bestätigung habe ich nach einigen aufgeregten Telefonaten bekommen und dann ging es los zu einem lokalen VET: wenn ihr bei der Pet Station mehrmals (!) nachfragt, geben sie euch eine Liste mit Tierärzten. Wir waren in der CLINIQUE VETERINAIRE DES SALINES, nur ca 10-15 Minuten entfernt. Dort wurde recht unkompliziert ein korrekter Pass ausgestellt. Jimmy wurde dabei keiner weiteren Behandlung unterzogen. Die Daten wurden einfach übertragen und das fehlende Datum aus dem Pass ergänzt. Nur der Mikrochip wurde nochmals geprüft.

Danach hatten wir zwar unseren Autozug verpasst, konnten aber den Rest der Reise antreten. Die Situation war recht brenzlich, denn der Mietwagen musste unbedingt in London zurückgegeben werden und ich hätte Jimmy ohne den neuen Pass nicht mitnehmen können. Am besten habt ihr an einem solchen Tag einen guten Freund oder Familienmitglied abgestellt, die mobil sind und euch sonst irgendwo entgegenkommen, abholen oder telefonisch unterstützen können (Anrufe beim Tierarzt etc).

Hier könnt ihr euch diesen Tag auch nochmals in Videoform anschauen:

Die komplette Playlist mit allen meinen Umzugsvlogs findet ihr hier.

Interessieren euch noch weitere Berichte zum Thema Auswandern? Wenn ja, lasst mir gerne euer Feedback in den Kommentaren da!

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9 Comments

  • Reply Lisa 17. Januar 2016 at 17:16

    Das hört sich wirklch alles sehr aufregend an.
    Aber es ist doch wirklich schade das es oft so kompliziert ist mit einem Hund zu reisen.
    Ich wünsche euch aber jetzt eine tolle Zeit
    Ganz liebe Grüße Lisa <3
    http://hellobeautifulstyle.blogspot.de/
    https://www.youtube.com/channel/UCPoU_ebFxQsjhAwy8bjlPiA

  • Reply Viktoria 17. Januar 2016 at 22:49

    hallo jasmin, wie hast du denn diese wunderschöne wohnung in london gefunden?? hast du eventuell tipps bezüglich wohnungssuche in uk?? alles liebe viki

    • Jasmin
      Reply Jasmin 18. Januar 2016 at 17:35

      Erfolgreich ist hier der Weg über die gängigen Agenturen. Du solltest genaue Vorstellungen haben, was dein Budget ist und wo du wohnen willst – dann organisieren die das meiste für dich!

  • Reply Tine 21. Januar 2016 at 15:12

    Was eine Aufregung! Aber wie gut, dass dann doch alles geklappt hat und Jimmy jetzt endlich mit bei Euch ist!
    LG Tine

  • Reply Ramona 17. Januar 2017 at 10:31

    Hi Jasmin,
    wie interessant, danke für die ausführlichen Infos! :-)
    Darf ich dazu trotzdem noch etwas fragen? Ich habe irgendwas im Hinterkopf, dass Hunde, die nach GB einreisen in eine längere Quarantäne müssen. Ist das gar nicht mehr so?
    Danke schonmal und viele Grüße,
    Ramona

    • Jasmin
      Reply Jasmin 17. Januar 2017 at 13:33

      Das ist nicht mehr so :) Zum Glück!

      • Reply Ramona 17. Januar 2017 at 13:50

        Oh wie toll – das stelle ich mir auch wirklich schwer vor, sowohl für den Hund, als auch die Hundemama. Lieben Dank für die schnelle Antwort. :)

        • Jasmin
          Reply Jasmin 17. Januar 2017 at 13:52

          Gerne! Solltest du noch Fragen zu dem Thema haben, kannst du mich auch gerne jederzeit per e-Mail kontaktieren!

  • Reply Ramazan 2. Oktober 2017 at 18:46

    Wirklich tolle und äußerst hilfreiche Tipps.
    Hier ist noch eine kleine Tippsammlung zum Umzug mit Tieren, die für den ein oder anderen Tierbesitzer sehr nützlich sein könnte:
    https://www.fitumzug.at/umzug-mit-tieren-uebersiedeln-ohne-katzenjammer/
    Zu finden gibt es neben Umzugstipps mit Hunden auch ein paar Ratschläge zum Umziehen mit Katzen und vielen anderen Haustieren.

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